Weltweite Situation des elektronischen Rechungsaustausches

Weltweite Situation des elektronischen Rechungsaustausches

05/06/2017

Die Marktforscher von Billentis haben einen neuen Jahresreport über “E-Invoicing / E-Billing” veröffentlicht, in dem die weltweite Situation der elektronischen Rechnung analysiert wird. Entsprechend der Tendenz der letzten Jahre ist diese Technologie auch im Jahre 2017 im Zunehmen begriffen, voraussichtlich beträgt die Wachstumsrate zwischen 10% und 20%. Das globale Volumen an E-Rechnungen wird 36 Milliarden erreichen. Das Wachstumspotenzial ist jedoch noch lange nicht ausgeschöpft.

Rund 90% der Rechnungen werden noch immer auf Papier gehandelt, doch dem Bericht von Billentis ist zu entnehmen, dass sich dies in der nahen Zukunft ändern könnte. Es wird erwartet, dass der elektronische Rechnungsaustausch im Jahre 2025 weltweit das dominierende Modell sein wird. Dazu kommen auch noch andere Steuerdokumente, die bereits in vielen Ländern elektronisch gehandhabt werden. Dies ist einerseits auf die unaufhaltsame Digitalisierung zurückzuführen, andererseits jedoch auch auf die Kostenersparnis, die im Vergleich zu Papierrrechnungen auf rund 8% bis 39% geschätzt wird.

Dies sind die allgemeinen Zahlen, die dem Billentis-Report zu entnehmen sind, doch in der Entwicklung dieser Technologie gibt es in den verschiedenen Ländern große Unterschiede. In welcher Situation befindet sich die elektronische Rechnungsstellung in den einzelnen Regionen?

Die E-Rechnung in Lateinamerika

Lateinamerika ist ohne jeden Zweifel die fortschrittlichste Region, was die Einführung der E-Rechnung anbelangt. Hier wird dieses System zur Steuerkontrolle  verwendet, um das beträchtliche Ausmaß an Steuerhinterziehungen zu reduzieren.

Pioniere in der Verwendung der E-Rechnung waren Chile, Mexiko und Brasilien. In diesen Ländern ist das Modell weit verbreitet und inzwischen ist man dabei,  auch andere Prozesse zur Einhaltung der Steuervorschriften, wie zum Beispiel die elektronische Buchhaltung, einzuführen. Damit wird bezweckt, den Steuerzahlern diese Aufgaben zu erleichtern und Kosten zu reduzieren.

Argentinien zählt ebenfalls zu den federführenden Ländern. Seit 2016 sind hier alle Wirtschaftssektoren verpflichtet, elektronische Rechnungen in ihren Handelsbeziehungen zu verwenden. In Peru ist der elektronische Rechnungsaustausch ebenfalls sehr verbreitet, wobei bis jetzt rund 85% der Aussteller freiwillig dieses System übernommen haben. Die obligatorische Einführung soll jedoch für alle Steuerzahler im Jahre 2018 erfolgen.

Zu den weniger entwickelten Ländern gehört Kolumbien. Bis jetzt erfuhr dieses Modell nur eine geringe Akzeptanz. Doch die nationale Zoll- und Steuerbehörde DIAN hat ein Projekt zur progressiven Einführung eines neuen Modells für den elektronischen Rechnungsaustausch ins Leben gerufen. 2019 werden alle kolombianischen Unternehmen verpflichtet sein, dieses System zu benutzen.

--> Broschüre über die elektronische Rechnung in Lateinamerika herunterladen, um mehr über die Details der Einführung dieser Technologie in den einzelnen Ländern zu erfahren.

Die elektronische Rechnung in Europa

In den letzten Jahren hat die Verwendung elektronischer Rechnungen in Europa deutlich zugenommen, insbesondere im B2G-Bereich. Der öffentliche Sektor agiert als Motor dieser neuen Technologie, um den Sprung zum papierlosen Rechnungsaustausch zu fördern.

Dänemark führte die elektronische Rechnung im B2G Bereich bereits 2005 als erstes europäisches Land ein. Seither sind auch andere Länder diesem Vorreiter gefolgt, zum Beispiel Österreich, Finnland, Italien, Norwegen, Slowenien, Spanien, die Schweiz oder Frankreich. Auch die Einführung des elektronischen Rechnungsaustausches im B2B-Bereich wird durch Steueranreize oder durch die obligatorische elektronische Umsatzsteuererklärung vermehrt gefördert.

Wie dem Billentis-Report zu entnehmen ist, ist derzeit das größte Problem die Automatisierung. Schätzungsweise gibt es über 40 Gesetzgebungen über die Verwendung der elektronischen Rechnung in Europa, was die Interoperabilität zwischen den einzelnen Regionen erschwert. Um dieses Problem zu lösen, wird die Europäische Union Ende 2018 alle öffentlichen Organismen der Mitgliedstaaten dazu verpflichten, die elektronische Rechung an den gemeinsamen europäischen Standard anzupassen.  

Die elektronische Rechnung in Nordamerika

In Nordamerika wird der elektronische Rechnungsaustausch unter anderen Aspekten als in Europa und Lateinamerika betrachtet. In dieser Region ist das Hauptziel der Unternehmen, durch die Einführung dieser Technologie im B2B/B2G-Bereich die Arbeitsprozesse zu optimieren und zu automatisieren.

Billentis schätzt, dass gegenwärtig zwei Drittel der Unternehmen hier ihre Rechnungen im PDF-Format über E-Mail verschicken. Nur rund 20% der Rechnungen werden als strukturierte EDI-Dokumente ausgestellt. Einer der Gründe für diese geringe Quote ist, dass es hier kein Umsatzsteuersystem gibt, deshalb werden Rechnungen wie alle anderen Handelstransaktionen gehandhabt.

Trotzdem besteht seitens der Bundesverwaltung der Vorschlag, diese Technologie zu fördern, nachdem in einem Pilotprojekt die Vorteile für private und öffentliche Organismen bestätigt werden konnten. 2018 soll die elektronische Rechnung von allen öffentlichen Sektoren verwendet werden.  

Die elektronische Rechnung in Asien und im Pazifikbereich

In diesen Regionen befindet sich die elektronische Rechnung noch in der Entwicklung. Insbesondere wird diese Technologie vom öffentlichen Sektor, dem Einzelhandel und dem Verkehrswesen gefördert, hauptsächlich in Ländern wie Singapur, Hong Kong, Taiwan und Südkorea.

Darüber hinaus haben die Steuerverwaltungen verschiedener Länder, in denen die Verluste durch Steuerhinterziehung sehr hoch sind, den Entschluss gefasst, Maßnahmen zu treffen und den elektronischen Rechnungsaustausch als Kontrollmechanismus nach dem Beispiel Lateinamerika einzuführen. Zu diesen Ländern gehören China und Indonesien. Im Juli 2016 kündigte Indonesien an, dass zukünftig fast alle Steuerzahler die elektronische Rechnung verpflichtend einführen werden müssen, wenn es sich um umsatzsteuerpflichtige Rechnungen handelt.

Auch in Russland findet diese Technologie immer mehr Verbreitung. Sie wurde zwar erst vor Kurzem eingeführt, doch schreitet schnell voran. Es wird erwartet, dass das Volumen der elektronischen Rechnungen 2017 doppelt beziehungsweise dreifach so hoch wie im Jahr 2016 sein wird.

Ein weiterer Hauptdarsteller des Jahres ist die Türkei. Hier wurde ein System zum elektronischen Rechnungsaustausch eingeführt, das schrittweise neue Sektoren und Steuerzahler einschließt. 2017 sollen weitere 100 000 Steuerzahler in dieses System integriert werden.

Auch Australien und Neuseeland befinden sich in einer ähnlichen Situation wie Asien im Allgemeinen. Der elektronische Handel und die Digitalisierung finden allmählich unter den Unternehmen dieser Länder Verbreitung. Man hat hier mit elektronischen Transaktionen im B2B-Bereich begonnen, insbesondere im Gesundheitswesen. Die meisten Rechnungen werden jedoch noch immer auf Papier oder im PDF-Format über E-Mail verschickt. 

Die elektronische Rechnung in Afrika

Südafrika ist das einzige Land dieser Region, das über ein entwickeltes E-Rechungssystem verfügt. 2012 aktualisierte das Land den gesetzlichen Rahmen, um diese Technologie zwischen den Unternehmen zu fördern.

In den restlichen afrikanischen Ländern spielt die elektronische Rechnung keine bedeutende Rolle, auch wenn Länder wie Marokko und die Maghreb-Staaten damit beginnen, dieses System zaghaft einzuführen.

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