Die elektronische Rechnung zwischen Privatunternehmen und öffentlicher Verwaltung findet in Europa immer größere Verbreitung. In welchem Land wird sie als Nächstes eingeführt?

Die elektronische Rechnung zwischen Privatunternehmen und öffentlicher Verwaltung findet in Europa immer größere Verbreitung. In welchem Land wird sie als Nächstes eingeführt?

09/07/2018

Nachdem in Italien das elektronische Rechnungsmodell für Privatunternehmen eingeführt wurde, stellt sich die Frage, in welchen anderen Ländern der Europäischen Union die E-Rechnung in naher Zukunft zur Pflicht wird.

Um das italienische Projekt umzusetzen, akzeptierte die EU eine Ausnahmeregelung für zwei Artikel der Richtlinie 2006/112/CE bezüglich des gemeinschaftlichen Systems über die Mehrwertsteuer. Die EU genehmigte der Republik Italien, zwei Sondermaßnahmen einzuführen, die eine Ausnahme der Artikel 218 und 232 darstellen:

  • Die Ausnahme, als Rechnungen ausschließlich Dokumente oder Nachrichten in elektronischem Format zu akzeptieren.
  • Die Ausnahme, dass die Verwendung von E-Rechnungen, die von Steuerzahlern erstellt werden, nicht an die Akzeptanz des Empfängers gebunden ist.

Es scheint logisch zu sein, dass im Zuge der Einführung elektronischer Rechnungsmodelle innerhalb der Europäischen Union für Prozesse mit der öffentlichen Verwaltung diese Systeme auch auf die restlichen Unternehmen ausgedehnt werden. Dies zwingt jedoch eine große Anzahl von Unternehmen, Lösungen zu suchen, die sich an ihre finanziellen Ressourcen anpassen. Darüber hinaus müssen interne Prozesse angepasst werden, was Zeit und Kosten abverlangt.

In Lateinamerika gilt die elektronische Rechnung für praktisch 100 % der Steuerzahler und in manchen Ländern, wie Mexiko, sind auch elektronische Buchhaltungssysteme üblich. In Mittelamerika finden eigene elektronische Systeme über Costa Rica, Panama und Guatemala immer mehr Verbreitung, vielleicht deshalb, weil in diesen Ländern geteilte Servicezentren eingerichtet wurden.

Welche Länder werden wahrscheinlich in Kürze die elektronische B2B-Rechnung einführen?

Italien ist nicht das einzige europäische Land, das über eine zentrale Rechnungsplattform verfügt, die nicht nur für den Rechnungsaustausch mit der öffentlichen Verwaltung zwingend sein kann. Diese Art von Plattform öffnet die Tür zur Nutzung der E-Rechnung zwischen Privatunternehmen.

Die Länder mit den fortschrittlichsten E-Rechnungssystemen innerhalb der EU sind derzeit Spanien, Frankreich, Polen und Portugal.

In Spanien gibt es nicht nur das e-Invoicing B2G System Facturae und das “System zur unmittelbaren Übermittlung von Information (Sistema de Suministro Inmediato de Información) für Umsatzsteuererklärungen, die fast in Echtzeit abgegeben werden können. Es wurde auch eine zentrale Plattform implementiert, die zwischen Unterauftragnehmern des öffentlichen Sektors und den wichtigsten Auftragnehmern als Vermittler wirkt. Diese Initiative tritt am 1. Juli 2018 in Kraft. Könnte dieses System der erste Schritt in Richtung massive Einführung der E-Rechnung zwischen Privatunternehmen sein?

In Frankreich wird die zentrale Plattform Chorus Pro verwendet, die sich in einer fortgeschrittenen Phase zur obligatorischen Implementierung befindet. 2019 werden kleine und mittlere Unternehmen eingegliedert, 2020 sind Kleinstbetriebe an der Reihe.

Sobald der Erfolg der Plattform bestätigt wird, könnte der nächste Schritt darin bestehen, die Plattform für den elektronischen Rechnungsaustausch zwischen Privatunternehmen zu öffnen.

Im Falle von Polen wurde das elektronische Format für Steuererklärungen über die Datei JPK_VAT von allen Unternehmen eingeführt und jetzt soll das zentrale Portal für Rechnungen implementiert werden. Diese zentralisierte Plattform ist eine Datenbank, die alle Informationen der JPK_VAT enthält, um Steuerbetrug vorzubeugen und Abweichungen beim Kauf und Verkauf von Waren und Dienstleistungen zu bearbeiten.

Portugal hat 2013 ein Projekt initiiert, mit dem elektronische Rechnungen, Transportunterlagen und Verbuchungen im SAFT-PT-Format deklariert werden. Das Projekt für elektronische Buchhaltung wird am 1. Juli 2018 starten. Ab diesem Datum müssen Unternehmen alle Buchungsbewegungen auf elektronischem Wege im SAFT-PT-Format an die Steuerbehörde übermitteln. Mit diesem System sind portugiesische Unternehmen dazu verpflichtet, zahlreiche Dokumente elektronisch an die Behörden zu übermitteln, praktisch die Gesamtheit aller Steuerdokumente.

Modelle für die komplett digitalisierte Unternehmenskommunikation sind eindeutig im Vormarsch. Allmählich werden alle Länder der Welt elektronische Systeme für Aktivitäten zwischen öffentlichen Behörden und Unternehmen einführen, die eine bessere Kontrolle der finanziellen Bewegungen und Steuererklärungen bezwecken. Die Implementierung elektronischer Modelle bietet mittel- und langfristig allen Unternehmen Vorteile, da sie Kosteneinsparungen ermöglicht und auch Ressourcen spart, die für die Bearbeitung und Archivierung von Papierdokumenten erforderlich sind. Darüber hinaus kann die Information so einfacher gemanagt werden.

Welche Vorteile hat die elektronische Rechnung zwischen Privatunternehmen?

  • Kosteneinsparungen in der Verwaltung und mehr Rentabilität

Die Implementierung einer Lösung für E-Rechnungen ermöglicht Kosteneinsparungen, da kein Papier notwendig ist und Versand, Druck und die physische Aufbewahrung der Dokumente im Unternehmen nicht mehr erforderlich sind. Auch die für die manuelle Erfassung der Daten in der Buchhaltung benötigte Zeit sowie die Zeit für die Rechnungseinziehung können verkürzt werden.

  • Fehlerreduktion

Ein automatisches System für elektronische Rechnungen, das in das ERP integriert ist, kann Fehler in den Dokumenten reduzieren und so Probleme bei der Rechnungseinziehung verhindern.

  • Verfolgbarkeit der Dokumente

Eine elektronische Lösung ermöglicht es, in jedem Augenblick den Zustand der Dokumente zu kennen und die vom Empfänger durchgeführten Aktivitäten zu verfolgen. Auf diese Weise können Verwaltung und Kontrolle über die Rechnung verbessert werden.

  • Integration und Automatisierung von Empfang und Versand der Rechnungen

Alle Unternehmen sind gleichzeitig Aussteller und Empfänger von Rechnungen. Ein effizientes System, mit dem alle elektronischen Prozesse zentralisiert werden können, sowohl für den Versand als auch für den Empfang der Rechnungen, kann die internen Prozesse des Unternehmens optimieren.

  • Standardisierung des Systems, um mit jedem Kunden rasch und problemlos arbeiten zu können

Die Harmonisierung der elektronischen Rechnung zwischen Privatunternehmen in Italien wird einen neuen gemeinsamen Raum schaffen, in dem es einfach sein wird, Geschäftsbeziehungen zu unterhalten, da alle dieselbe Sprache sprechen.

  • Bessere Qualität der Information und mehr Produktivität

Der elektronische Austausch garantiert eine rasche und problemlose Abwicklung der Geschäfte, was sich auch auf die Zahlungsfristen positiv auswirkt. Die Erstellung, der Versand und der Empfang der Rechnungen erfolgen automatisch, im Vergleich zur manuellen Erstellung von Rechnungen ist der Prozess schneller und Fehler können vermieden werden.

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